Mit unseren Pferden vom Allgäu zum Bodensee

Hero Story von Vroni und Steffen

Hi, ich bin Vroni – Wanderreiterin aus Leidenschaft.

Am liebsten entdecke ich neue Gegenden gemeinsam mit meinen Pferden. Zusammen mit meinem Partner Steffen waren wir schon oft mit gepackten Pferden quer durch ganz Europa unterwegs. Unsere letzte längere Reise führte uns vom Bodensee nach Spanien. Jetzt stand ein neues Abenteuer bevor: Wir wollten das erste Mal mit unseren jungen Dölepferden un unserem Sohn Felix unterwegs sein. Er war zum Zeitpunkt der Reise gerade mal 19 Monate alt. Was er wohl zu dieser Art des Reisens sagen wird? Und wie werden die Pferde ihre erste mehrtägige Tour meistern?

Schon lange träumte ich davon, mit Pferden vom Allgäu –
unserer aktuellen Heimat – an den Bodensee – meinen Geburtsort – zu laufen. Für den ersten
Wanderritt mit Kind fand ich das die perfekte Route, da das Terrain vermutlich nicht zu anspruchsvoll
sein sollte.
Und so begannen wir einige Wochen später mit der Planung. Eine Wanderung alleine bedarf schon
viel Planungsaufwand. Eine Wanderung mit Pferden UND einem kleinen Kind stellte mich allerdings
vor ganz neue Herausforderungen. Was braucht unser Sohn unterwegs an Equipment? Welchen
Schlafsack nehmen wir für ihn mit wenn wir draußen im Freien übernachten? Wie machen wir das
mit den Windeln? Was isst er unterwegs? (Wer Kinder hat weiß, dass die Essensansprüche da
teilweise sehr wählerisch sein können.) Und wie transportieren wir ihn überhaupt? Richtig lange
reiten kann er in seinem Alter noch nicht.

Kaffeezubereitung am Lagerfeuer

Wanderritt mit Lambda Coffee

Auch wenn wir mit Pferden reisen, so ist das Gepäck das wir mitnehmen können sehr begrenzt und jedes Teil das wir einpacken muss gut überlegt sein. Trotzdem darf ein bisschen Luxus unterwegs für mich manchmal nicht fehlen und so wanderte auch das Equipment von Lambda Coffee in die Packtaschen – immerhin liebe ich es, den Tag mit einem heißen Getränk zu beginnen.

Alles für die Kaffeezubereitung

Der Tag des Aufbruchs lief derart chaotisch, dass ich kurz daran zweifelte, dass wir eigentlich sehr
routinierte Wanderreiter waren. Aber mit einem kleinen Kind ist das Reisen eben ein wenig anders.
Hektisch stopfte ich an jenem Morgen die letzten Sachen in die Packtaschen, während ich verzweifelt
unseren Sohn Felix davon überzeugen wollte, noch eine Kleinigkeit zu essen, bevor er dann erst
einmal einige Zeit in der Kraxe auf Papas Rücken verbringen würde. Er für seinen Teil wollte aber
lieber mit seinem heiß geliebten Traktor spielen und beantwortete meine Versuche konsequent mit
„Nein“. Frustriert gab ich nach kurzer Zeit auf und wollte zum nächsten Tagesordnungspunkt auf
meiner Liste übergehen: Die Pferde fertig machen. „Komm wir gehen zu den Pferden Felix“, sagte ich
und hielt ihm seine Schuhe vor die Nase. „Nein.“, bekam ich als knappe Antwort. Puh, wie soll das
nur werden mit einem kleinen Kind, das gerade mitten in seiner „Nein“-Phase steckt?

"Natürlich dauerte es viel länger als geplant, bis wir loskamen, doch als wir dann unterwegs waren, fühlte sich alles plötzlich richtig schön an."

Ich atmete die duftende Frühsommerluft ein und genoss es das gleichmäßige „Klackklack-Klackklack“
der Pferdehufe zu hören, mit dem Wissen, dass mich dieses vertraute Geräusch nun die nächsten Tage begleiten würde. Felix war erstaunlicherweise in bester Laune. Scheinbar hatte er verstanden, dass wir jetzt gemeinsam ein paar Tage Abenteuer erleben werden – und das war etwas was er sehr mochte.

Der Weg aus dem schilf-Dschungel?

Doch lange hielt die Freude nicht. Genau genommen 2 Kilometer. Denn dann endete unser Weg abrupt vor einem großen Sumpfgebiet, auf welchem meterhohes Schilfgras wuchs. „Da geht’s weiter“, sagte Steffen, deutete dabei sehr überzeugt auf eine Wand aus Schilf und gab seinem Pferd das Kommando zum weiterlaufen. „Nein Stopp! Wir laufen sicher nicht einfach mit unseren Pferden in ein Sumpfgebiet, ohne einen Weg zu sehen.“, erwiderte ich. In der Vergangenheit hatten wir schon öfter sehr schlechte Erfahrungen mit Pferden in sumpfiger Landschaft gemacht. Nur zu gut hatte ich noch die Bilder vor Augen, wie unser Packpferd damals in Schweden auf einem sumpfigen Pfad im Moor eingebrochen ist und wir es nur mit großem Glück da wieder heraus bekommen hatten.

„Doch kuck, hier ist ein Weg.“, meinte Steffen hartnäckig und deutete auf eine kaum erkennbare Fahrspur am Boden. Nach einer hitzigen Diskussion, ob das jetzt eine gute oder schlechte Idee ist dieser kaum erkennbaren Spur in meterhohes Schilf zu folgen, gab ich schlussendlich aus Mangel an Alternativen nach und folgte Steffen in den Schilf-Dschungel. Die Alternative wäre ein sehr langer Umweg gewesen, was bedeutet hätte, dass Felix aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann in der Kraxe die Geduld verloren hätte und unser Tagesziel durch längere Zwischenpausen in sehr weite Ferne gerutscht wäre.

mitten im sumpf

Bei jedem Schritt den meine schokobraune Stute neben mir tat hielt ich die Luft an, in der Hoffnung,
dass der Boden tragfähig genug war, so dass sie nicht einsinken würde. Das Schilfgras knackste und
der weiche Boden wackelte bedrohlich. Doch die Pferde meisterten diese Herausforderung
hervorragend und hörten brav auf alle unsere Kommandos. Dann hielt Steffen plötzlich an und zog
sein Smartphone mit der Wanderkarte aus seiner Tasche. „Der Weg scheint hier zu enden – keine
Ahnung wo es weiter geht“, sagte er. Seine Worte lösten einen halben Herzstillstand bei mir aus. Wir,
inmitten von meterhohem Schilf in einem Sumpfgebiet, mit zwei jungen Pferden die eventuell doch
noch in Panik geraten konnten, wenn wir jetzt hier lange nach einem Weg suchen müssten und dann
auch noch unser 19 Monate altes Kind auf dem Rücken von Papa. Stehenbleiben in solch einer
Umgebung bedarf bei Pferden extremes Vertrauen, denn Pferde sind Fluchttiere und in einem
Terrain wie diesem können sie keinerlei Fluchtwege erkennen und fühlen sich zudem schnell
eingeengt, wodurch sie voll und ganz dem Menschen und seinen Kommandos vertrauen müssen.

Steffen wählte eine Variante in Richtung einer mit Gras bewachsenen Lichtung, die man durch das Schilf schimmern sehen konnte. Doch schon bei den ersten Schritten merkten wir, dass dies keine gute Idee war, da der Boden immer weicher und sumpfiger wurde. Wir gingen zurück an die Stelle an der wir eben schon standen und tatsächlich wählten wir diesmal die richtige Richtung. Ein paar Meter kämpften wir uns durch sehr dichtes, trockenes Schilfgras aber dann öffnete sich der Blick und wir konnten unseren Weg, der im Wald weiter verlief, erkennen. Ich atmete erleichtert auf, als wirmendlich das Moor hinter uns gelassen hatten. Zwar war der Waldweg nicht wirklich gut gepflegt und es lagen viele tote Äste quer auf dem Weg, aber dieser Hürdenlauf war mir tausend Mal lieber, als das hohe Schilfgras und der Sumpf.

„Das machen wir nie wieder ok?“, schimpfte ich Steffen, als wir irgendwann endlich wieder einen richtigen Weg unter den Füßen hatten. „Ja ok.“, antworte er und ich erinnerte mich daran, dass wir exakt diese Konversation auf unseren vergangenen Reisen schon etliche Male geführt hatten. Viel zu oft lasse ich mich aus Mangel an guten Alternativen von Steffens Mut anstecken, sterbe währenddessen fast vor Angst, aber irgendwie geht es dann doch gut.

alle Ängste sind verflogen

Die weiteren Wege bis zu unserem ersten Nachtlager waren wunderschön und Felix weiterhin in bester Reiselaune. Dort angekommen sattelten wir die Pferde ab, gaben ihnen etwas Mineralfutter und brachten sie dann auf eine große Weide, auf der sie die Nacht verbringen durften. Wir für unseren Teil durften in einem alten Wohnwagen nahe der Koppel schlafen.

Nach diesem aufregenden ersten Tag war ich am nächsten Morgen umso glücklicher, den Espressokocher eingepackt zu haben und freute mich auf eine gemütliche Tasse Kaffee auf der Pferdeweide, als Start in den Tag. Ich sammelte gemeinsam mit Felix kleine, trockene Äste und schaute kurze Zeit später dem Feuer in der Woodbox zu, wie es unter dem Espressokocher loderte. Über dem Feuer zu kochen hat für mich immer etwas sehr meditatives. Steffen sammelte Wildkräuter für zwei Tassen Tee und so saßen wir voller Zufriedenheit mit unseren Heißgetränken gemeinsam auf der Wiese und beobachteten die Pferde beim Grasen.

All meine Ängste, dass das Reisen zu Pferd mit einem so jungen Kind unmöglich wäre waren
inzwischen verflogen. Felix genoss es sehr jeden Tag einen neuen Ort zu erkunden, tagsüber in der
Kraxe oder auf dem Pferdrücken die Landschaft vorbei streifen zu sehen und abends gemeinsam auf
der Wiese bei den Pferden zu sitzen und Picknick zu machen. Neue Dinge gemeinsam mit Mama und
Papa erkunden, das war irgendwie schon seit er auf der Welt ist sein Ding.

Immer wieder führte uns unser Weg in den nächsten Tagen über verwunschene Waldwege und wunderschöne Wiesenpfade. So oft bin ich mit dem Auto auf dem Weg zu meinen Eltern an diesen Gegenden vorbei gefahren, doch so wirklich kennenlernen kann man die Landschaft nur, wenn man sie langsam bereist – unter anderem ein Grund, weshalb ich das Reisen mit Pferd so sehr liebe. Man ist im Schneckentempo unterwegs und hat Zeit, sich alles ganz genau anzuschauen. Außerdem ist man den ganzen Tag in Bewegung und an der frischen Luft, was einfach unglaublich erdend ist.

Zuhause am bodensee

Nach ein paar Tagen erreichten wir unser Endziel: das Zuhause meiner Eltern und der Ort an dem ich
aufgewachsen bin. Es war magisch diese gut bekannten Wege aus meiner Kindheit bis zu meinem

Elternhaus zu laufen. Wie oft hatte ich mir als Kind gewünscht hier mit einem Pferd unterwegs zu
sein? Tausende Male. Ich war aufgeregt und mein Herz platze fast vor Freude als ich die Straße in
unser Dorf hinunter lief. Heute war der Tag, an welchem dieser Kindheitstraum endlich wahr wurde.

Ob das unsere letzte Tour mit Kind und Pferd war? Bestimmt nicht. Denn jetzt wissen wir: Felix liebt
das Reisen mit Pferd genau so sehr wie wir und das macht definitiv Lust auf mehr.